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Ziel der Verhaltenstherapie ist es, dass man sich seinen Ängsten stellt. Die negativen Gedanken müssen zugelassen werden und sie müssen langweilig werden. Als ich dies zum ersten Mal gehört hatte, wollte ich auch ganz schnel das Weite suchen. ABER als es dann an die Übungen ging, wurde mir das Prinzip immer klarer und
ES FUNKTIONIERT !

Kognitionsorientierte Verfahren sollen dazu dienen, eine langfristige kognitive Umstrukturierung zu erreichen: negative Kognitionen sollen durch rationalere ersetzt werden, was zu aktiverem, kompetenterem Verhalten führen soll. Zu den kognitionsorientierten Verfahren gehören:

Sammeln und Aufzeichnen automatischer Gedanken

Zweispaltentechnik: Argumentieren gegen automatische Gedanken

Erkennen von Mustern kognitiver Verzerrungen

Realitätstesten: Testen der Kognitionen

Umattribution: Trennung der Verantwortlichkeiten

Entkatastrophisieren

Aufbau von Erwartungen


Oder auch mit anderen Worten: Man soll seine eigenen Gedankenmuster, die automatischen Gedanken, erkennen und sie hinterfragen. Man muss realistische Gedanken entwickeln und diese gegen die automatischen beängstigen Gedanken stellen.

In Therapie
 
Bevor es losging, hatte ich eine richtige Odyssee hinter mir. Allerdings nicht weil die Ärzte oder irgendwelche Behörden mit das Leben schwer machten. Nein das machte ich mir schon ganz alleine. Es ist schon ein verzwickte Situation, wenn man einen Therapeuten anrufen muss, aber auf Grund seiner Zwänge nicht telefonieren kann. So siegte mein Zwang bei jeder Schlacht. Die Termine, die zustande kamen ließ ich platzen, weil – ja weil es alles so fremd war und ich mich noch immer schämte mit anderen darüber zureden. Nun bekam ich ja auch schon Medikamente. Fluoxitin – ein wahres „Wundermittel“. Die 20mg reduzierten die Zwänge schon gut, aber eben noch nicht gut genug. Auch hatte ich mir irgendwie an die Zwänge gewöhnt, denn es war bis jetzt schon 25 Jahre vergangen. Hört such vielleicht komisch an, aber dieses Leben war für mich „normal“ geworden. Ich kannte meine Welt eben nicht besser und wenn ich nur geahnt hätte wie sich alles ändern könnte, wäre ich mehr hinterher gewesen. Die Zwänge waren lästig, aber ich hatte mich arrangiert. Die Depression war allerdings schon zu einer lebensgefährlichen Sache geworden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ! Die Hilfe kam letztendlich aus einer ganz anderen Richtung. Unsere Tochter (12) fing an, meiner Frau und mir, große Sorgen zu machen. Kurz gesagt, sie zeigte alle Symptome einer Depression. Als sie sich uns öffnete und uns erzählte wie es ihr wirklich geht, gingen wir sofort zu unserem Hausarzt. Der reagierte ebenfalls sofort und ehe wir uns versahen, war unsere Kleine in der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychologie des UKE Hamburg. Bei Kindern wird nicht lange gefackelt. Es gab einige Vorgespräche. Das erste führten wir als Eltern alleine mit einer Psychologin. Im Verlaufe diese Gesprächs kamen auch meine Leiden an die Oberfläche und es wurde mir nicht nur geraten, sondern zum Wohle meiner Tochter verlangt, dass ich mich ebenfalls in eine Therapie begebe. Doch die Ärzte meiner Tochter mussten mir erst drohen, sie von der Liste zu streichen, wenn es nicht auch bald bei mir losgehen würde. So kam ich in die Puschen und traf meinen dritten Psychiater. Aber dieser war ganz anders als die Anderen, denn ergab mir nicht nur endlose Listen mit Therapeuten, sondern er drückte mir auch eine Einweisung für die Tagesklinik im UKE in die Hand. Witzigerweise genau ein Gebäude neben meiner Tochter. So meldete ich mich im August 2009 an und nach zwei Vorgesprächen kam der Anruf, der alles verändern sollte
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26. Oktober 2009 9:00 Uhr
 
Mein erster Tag und ich kam viel zu spät. Was für ein Einstieg. Ein Umstand, den ich mir nicht verzeihen konnte. Nun war ich da und wurde sehr lieb aufgenommen. Ich lernte allerlei Menschen kennen. Meine Therapeutin, meinen Co-Therapeuten, meine Ärztin und natürlich den Oberarzt. An diesem Tag habe ich immer wieder das Gleiche erzählt. Die erste Zeit in der Therapie ist die Kennenlernphase. Man kommt als unbeschriebenes Blatt und die Therapeuten müssen hinter die oft verzwickte Logik des Zwangs oder der Zwänge kommen. Bei mir dauerte dies vier Wochen zumal auch die Depression zuerst im Vordergrund stand. So hatte ich in den ersten vier Wochen so weit nichts zutun, als zur Ruhe zukommen. Ich fühlte mich wie jemand, der von einem fahrenden Karussell abgesprungen ist. Eben noch im täglichen Stress und jetzt war es ruhig und alles stand still. Viel neue Gesichter, eine fremde Umgebung und ein ganz neuer Tagesablauf. Es waren viele neue Eindrücke, die es erst einmal zu verarbeiten galt.

Endlich normale Menschen
 
Doch eines hatte bald ein Ende und da kam ich schnell dahinter. Man brauchte sich nicht verstecken und nicht zu verstellen. Ich erkannte Verhaltensweisen bei anderen wieder, die von mir gut kannte und wenn ich den einen oder anderen Patienten dabei beobachteten konnte, wie er eine Bewegung wiederholt oder ein paar Mal in den Raum hinein und wieder hinaus geht, wusste ich ganz genau, was in diesem Menschen Vorsicht geht und schnell empfand ich keine Scham mehr, wenn es mir dann auch ab und zu „passierte“. Hier waren Zwänge, Ängste und Depressionen kein Tabu mehr. Nirgends geht man so offen und normal damit um. Und so manch einer von den „Normalos“ würden über den Humor, der hier herrscht sehr erschrocken sein. Denn Redewendungen wie „sei doch völlig zwanglos“ oder „keine Angst“, haben hier einen völlig anderen Stellenwert. Oder wenn man denn einmal auf das Örtchen muss, heißt es eben „Ich bin mal für kleine Psychopathen.“ Freud und Leid leben hier dicht an dicht. Eben noch hast du noch mit den Anderen ausgelassen gelacht und schon kam die Nächste völlig verweint und aufgelöst auch einem Gespräch. Es kam auch vor, dass die Stationstür aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. Das waren schon bedrückende Momente, die jeden vor Augen führte wo man sich befand und es eben hier anders zugeht, wie auf anderen Stationen. Man war immer für den Anderen da und tröstete sich gegenseitig oder tauschte Erfahrungen aus. Es gab aber auch Tage, die so ausgelassen waren, dass wir vergessen hatten wo wir waren. Aber eine Eigenschaft hat mich am meisten beeindruck. Das ist die Fähigkeit aller Patienten, das Leben von einem anderen Standpunkt zu betrachten. Zwischen die Lücken im Zaun zu schauen und den Hintergrund zu erkennen. Alle hatten eine enorme Sensibilität Dinge zu sehen und zu erfassen, die für viele einfach zu alltäglich sind. Wir alle hatten bitter erfahren müssen, was die Gesellschaft aus einem machen konnte und wie mit einem umgegangen wird, der nicht mehr Schritt halten kann. Erbarmungslos wird man übergangen, denn bedingt durch Leistungsdruck, Profitdenken und immer weniger Aufklärung in einer immer mannigfaltigen Medienwelt, stehst Du irgendwie abseits. Ein Querschnitt durch die Berufe der Patienten zeigt, dass diese Krankheit nichts, aber auch überhaupt nichts, mit dem sozialen Umfeld, dem Bildungsgrad und dem Alter zu tun hat. Wir hatten Kaufleute, Sozialpädagogen, Techniker, Studenten , Lehrer, Zugführer, einen Arzt, Informatiker, Leute aus der Chefetage und den „einfachen“ Angestellten. Der jüngste Patient war 18 und der Älteste 73. Wir waren der Beweis dafür, dass es jeden erwischen kann. Für mich war es schon jedes Mal eine kleine Therapie mit den Patienten zu reden. Allein zu erkennen, dass man wirklich nicht alleine ist, denn genau das hatte ich all die Jahre gedacht.